Beleuchtungsstärke nach DIN EN 12464-1 richtig auslegen?
Wie viel Lux braucht ein Arbeitsplatz wirklich? Dieser Ratgeber erklärt die Wartungswerte der Beleuchtungsstärke nach DIN EN 12464-1 je Tätigkeit, die Grenzwerte für UGR-Blendung und Farbwiedergabe sowie die praktische Auslegung von Leuchten.
Arbeitsplatzleuchten ansehenWas fordert DIN EN 12464-1 am Arbeitsplatz?
DIN EN 12464‑1 legt die Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen fest. Massgeblich ist immer der Wartungswert Ēm der Beleuchtungsstärke in Lux: der Wert, den die Anlage über die gesamte Nutzungsdauer nicht unterschreiten darf, also nach Alterung und Verschmutzung der Leuchten.
Die Norm bewertet nicht nur die Lux-Zahl. Sie definiert für jede Tätigkeit ein Bündel aus Beleuchtungsstärke, Blendungsbegrenzung (UGR), Gleichmässigkeit (Uo) und Farbwiedergabe (Ra). Erst wenn alle vier Grössen stimmen, ist der Arbeitsplatz normgerecht ausgeleuchtet.
- Ēm - Wartungswert der Beleuchtungsstärke in Lux je Tätigkeit.
- UGR - einheitliches Blendungsmass (Unified Glare Rating), je kleiner desto besser.
- Uo - Gleichmässigkeit, Verhältnis von minimaler zu mittlerer Beleuchtungsstärke.
- Ra (CRI) - Farbwiedergabeindex, 100 = ideale Farbtreue.
Welche Lux-Werte gelten je Tätigkeit?
Die erforderliche Beleuchtungsstärke steigt mit der Sehaufgabe: je feiner und kontrastärmer die Tätigkeit, desto mehr Lux. Grobe Lager- und Verkehrsflächen kommen mit 100 bis 200 lx aus, feine Montage und Prüfung verlangen 500 bis 1000 lx, Präzisions- und Kontrollarbeit auch mehr.
Wie legt man Leuchten für den Sollwert aus?
Für die überschlägige Auslegung dient das Wirkungsgradverfahren: aus dem geforderten Lux-Wert, der Fläche, dem Wartungsfaktor und dem Beleuchtungswirkungsgrad des Raums ergibt sich der nötige Lichtstrom in Lumen und daraus die Zahl der Leuchten.
- Lux-Sollwert und Fläche festlegen: benötigter Lichtstrom = Lux x Fläche in m².
- Durch Wartungsfaktor teilen (z. B. 0,80) und durch den Raumwirkungsgrad, um Verluste auszugleichen.
- Leuchten mit passender Lichtausbeute (lm/W) und Lichtverteilung wählen, LED spart 40‑60 % Energie.
- UGR-Wert der Leuchte prüfen und blendungsarme Optik oder Raster für Bildschirmplätze wählen.
- Farbtemperatur nach Nutzung: 3000‑4000 K neutralweiss für Werkstatt und Büro.
Häufige Fragen
Was bedeutet der Wartungswert der Beleuchtungsstärke?
Der Wartungswert Ēm ist der Lux-Wert, den die Anlage über die gesamte Nutzungsdauer nicht unterschreiten darf. Die Neuanlage wird über den Wartungsfaktor überdimensioniert, damit sie nach Alterung und Verschmutzung noch den Sollwert erreicht.
Wie viel Lux braucht ein Büroarbeitsplatz?
Für Schreiben, Lesen und Datenverarbeitung fordert DIN EN 12464‑1 einen Wartungswert von 500 lx bei UGR höchstens 19 und Ra mindestens 80. Feinere Sehaufgaben liegen höher.
Was sagt der UGR-Wert aus?
UGR ist das einheitliche Blendungsmass. Kleinere Werte bedeuten weniger Direktblendung. Büro- und Bildschirmplätze fordern UGR höchstens 19, sehr feine Kontrollarbeit UGR 16.
Warum genügt die reine Lux-Zahl nicht?
Die Norm verlangt neben der Beleuchtungsstärke auch Blendungsbegrenzung (UGR), Gleichmässigkeit (Uo mindestens 0,60) und Farbwiedergabe (Ra). Erst das Zusammenspiel ergibt einen normgerechten Arbeitsplatz.
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